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Konzertsaison 2013/14
Konzertsaison 2012/13
Konzertsaison 2012/13                                                                                                                     Konzertsaison 2010/11

2. Abokonzert 06.12.2012 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr
Quelle: Lippe aktuell, 12. Dezember 2012, Autor/Foto: Paul-Gerhard Kluge



Klangerlebnis aus drei Jahrhunderten
Detmolder Kammerorchester spielt Ravel, Saint-Saëns und Rameau im Konzerthaus

Detmold (pk). Was für ein begeisterndes Festival französischer Orchestermusik! Faszinierend gleich das Entree: Maurice Ravels „Le tombeau de Couperin", einer Hommage an den großen barocken Komponisten und Cembalisten Couperin, dessen spielerischer Einfallsreichtum Ravel begeisterte und inspirierte. Bei extrem niedrigem Altersdurchschnitt musizierten sie, die 33 professionellen Musiker und Musikerinnen des Detmolder Kammerorchesters, gestalterisch und technisch brillant, vor allem aber quicklebendig und in hohem Maße begeisterungsfähig!
Vielleicht sind dies die entscheidenden Voraussetzungen für den besonderen musikalischen Charme dieses beeindruckenden ostwestfälischen Klangkörpers, der unter der variantenreichen dynamischen Leitung seines Chefdirigenten Alfredo Perl hier wieder einmal sein zahlreich vertretenes Publikum zu fesseln vermochte. Ursprünglich (1914) für die Klavierfassung komponiert, spielte das DKO diese viersätzige Suite Ravels in voller Orchesterbesetzung (einschließlich Harfe) effektvoll und großflächig (Prelude), dann wieder tänzerisch, facettenreich und transparent mit bezaubernd gestalteten solistischen Aufgaben der Oboen (Forlane und Menuet) bis zur abschließenden quirlig-pfeffrig musizierten Rigaudon, die spontane Begeisterung beim Publikum auslöste.

Den Zenit des Abends bildete zweifelsohne das legendäre Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 33 des Pariser Musikers Camille Saint-Saëns, der bereits im zarten Alter von vier Jahren zu komponieren begann, 300 Werke aller Gattungen schuf und den Franz Liszt für den seinerzeit besten Organisten der Welt hielt. Wenn die Komposition eines derartigen Genies, die zum Standardrepertoire aller großen Cellisten gehört, dann von einem jungen Solisten der französischen Hochbegabtenszene, Florent Chevallier, gespielt wird (Studien bei den Celloprofessoren Marcio Carneiro und Andras Schiff), der selbst am 1. Pult des ihn begleitenden Detmolder Kammerorchesters gesessen hat, dann sind die Voraussetzungen für ein herausragendes musikalisches Ereignis außerordentlich günstig. Großartig gestalteten sich hier gleich im 1. Satz die schnellen Wechsel von betörend ausgespielten, bezaubernden Elegien des Solocellos zu hochdramatischen Dialogen von Orchester und Solist, bei denen dem Orchester eine eigenständige, weit über reine Begleitfunktion herausragende Rolle zufällt, die Perl mit seinen Musikern des DKO sensibel und professionell realisierte. Mit atemberaubender Perfektion meisterte Chevallier alle hochkomplexen, rasanten Passagen bis hin zum höchsten Flageolettton „im ewigen Eis", präzise und scheinbar mühelos, und bei den großen romantischen Themenbögen versetzte er seine Zuhörer mit seinem klanglichen Schmelz geradezu in eine Art Schwelgetrance. Nach höchst begeisterten Publikumsreaktionen verließ der Solist nach einem sensibel musizierten Satz aus einer Bach-Cellosuite (Zugabe) ohne jegliche Starallüren, aber mit einem Handkuss in Richtung seiner Orchesterkollegen das Konzertpodium.

Wer von den Zuhörern nun annahm, das Konzertprogramm sei mit diesen überzeugenden Darbietungen bis zur Konzertpause nahezu erschöpft, sollte eines Besseren belehrt werden.

Im Anschluss an eine klangschön musizierte Pavane von Maurice Ravel mit hervorragend geblasenem Hornsolo zu Beginn und samtigen Streicherpassagen, die stellenweise an Filmmusik erinnerten, wurde es nach relativ aufwendigen Umbesetzungen und -orientierungen barock auf der Konzertbühne bei einer abschließend gespielten Orchestersuite aus der Oper „Nais" von Jean-Philippe Rameau.

Bereits die Ouverture gestalteten Perl und sein DKO in rasantem Metrum – Dirigat teilweise in ganzen Takten – hocheffektvoll in barocker Pracht mit historischen Pauken, Schellen und Barocktrompeten, obwohl Streicher und Holzbläser weiterhin auf normalen Orchesterinstrumenten spielten. Perl dirigierte hier in höchstem Maße engagiert, bei einigen Sätzen nahezu „mit Händen und Füßen", und seine jungen Musiker setzten diese energiegeladenen Impulse derart präzise und professionell um, dass der authentische Eindruck einer variantenreichen prächtigen Barocksuite entstand, der die Zuhörer faszinierte und zu intensiven Beifallskundgebungen veranlasste.



Musik & Architektur
Konzertreihe in Baudenkmälern Ostwestfalen-Lippes
Quelle: Neue Westfälische, 30. November 2012, Autor/Foto: Karen Longère

Stern der Woche an Detmolder Kammerorchester
Für neue Konzertwege



Setzt auf Kooperation | Foto: Christine Longère

Detmold (lon). Zwischen der Proportionslehre in der Architektur und der Harmonielehre in der Musik besteht seit jeher eine enge Beziehung. Korrespondenzen zwischen beiden Kunstformen bringen das Detmolder Kammerorchester und das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Baudenkmälern Ostwestfalen-Lippes zur Sprache und zum Klingen. Kurzvorträge greifen baugeschichtliche Aspekte auf und wecken Aufmerksamkeit für die Besonderheit des Ortes, auf die auch das musikalische Programm abgestimmt ist.

Einen Anknüpfungspunkt für die Veranstaltungsreihe, die in der Lemgoer St. Marienkirche startete, bot das Wort des französischen Dichters und Philosophen Paul Valéry, Architektur sei "zu Stein gewordene Musik". Kompositionen, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden, erinnerten im Industriemuseum Ziegelei Lage an eine Epoche der technischen und gesellschaftlichen Umwälzungen, während im Gräflichen Bad Driburg Werke der beiden großen Klassiker Beethoven und Mozart hervorragend an einen „Ort ländlichen Vergnügens" passten, an dem schon vor zweihundert Jahren die gehobenen bürgerlichen Schichten Erholung suchten.
Fortgesetzt wird die Reihe am 16. Dezember, 15 Uhr, in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Büren, wo ein Blick in den „westfälischen Himmel" gewährt wird und die Musik Bachs in die Welt der Spiritualität entführt. Eine weitere Station am 23. Februar, 19 Uhr, ist das Marta Herford. Die spektakuläre Architektur von Frank Gehry bietet den Rahmen für die Aufführung eines Stummfilms von Ernst Lubitsch mit Orchesterbegleitung.

„Keiner kann heute allein sein Banner in die Zukunft tragen." Diese Überzeugung steht nach den Worten Christian Weyerts, Vorsitzender des Trägervereins Detmolder Kammerorchester, hinter dem Konzept „Musik & Architektur". Die ideenreiche Initiative, die beispielhaft Kräfte des Kulturlebens in der Region bündelt, ist einen Stern der Woche wert. Er geht an Christian Weyert, der ihn stellvertretend für alle Beteiligten erhält. (lon)

Eine Initiative der Neuen Westfälischen (NW), der Lippischen Landes-Zeitung (LZ) und des Haller Kreisblatts (HK).



4. Abokonzert 24.04.2012 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr

Kunstgenuss oberhalb des Konzertexamens
Quelle: Lippe aktuell, Kulturteil, 2. Mai 2012, Autor: Paul-Gerhard Kluge, Foto: Paul-Gerhard Kluge

Ariel Zuckermann konzertiert mit dem DKO im Konzerthaus



Detmold (pk). Über welche musikalischen Abschlüsse und Examina die augenblicklich 27 jungen Musiker des Detmolder Kammerorchesters (DKO) verfügen, darüber schweigt das Begleitheft zum gut besetzten 4. Abonnementkonzert im Detmolder Konzerthaus; der diesbezüglich interessierte Konzertbesucher konnte jedoch den an diesem Konzertabend vom DKO dargebotenen professionellen Orchesterpart problemlos als einen „Kunstgenuss oberhalb des Konzertexamens“ einordnen und erlebte dieses Ensemble mit seiner Präzision und seinem jugendlichen Feuer als einen der überzeugendsten Klangkörper der Region. Als Initiator und Förderer dieser hervorragenden Qualifikationen stand in diesem Konzert zweifelsohne der in Israel geborene Ariel Zuckermann als Leiter und Solist im Mittelpunkt, der mittlerweile zu einem der gefragtesten Dirigenten der jungen Generation gehört, seine musikalische Karriere aber als Flötist begann. Diese beiden Kompetenzen Zuckermanns konnten gleich beim ersten Werk des Abends, dem Konzert a-Moll für Flöte und Streicher von Michel Blavet, überzeugend unter Beweis gestellt werden.

Blavet, der das Flötenspiel und Komponieren autodidaktisch erlernte und den auch der Preußenkönig schätzte, schuf mit seiner erst 1954 wiederentdeckten Komposition ein Bravourstück, bei dem der Solist alle Facetten seines Instrumentes gefällig zu Gehör bringen kann, was Ariel Zuckermann, scheinbar ohne Anspannung, mit professioneller Brillanz zu realisieren vermochte, um gleichzeitig das DKO – stellen-
weise mit der Querflöte als Dirigierstab – zu kammermusikalischen Höchstleistungen zu inspirieren. Besonders bei dem brisanten letzten
Satz (Allegro) in rasantem Tempo begeisterte das Publikum die große Leichtigkeit und Perfektion von Solist und Orchester, selbst bei den halsbrecherischsten Passagen. Der Triumphzug von Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Streicherserenade C-Dur op. 48 um die ganze Welt
begann mit ihrer Uraufführung 1881; Anton Rubinstein erklärte sie zu „Tschaikowskys bestem Werk“. Gesanglich und hoch ausdynamisiert leitete Zuckermann den 1. Satz mit ausladendem Dirigat ein, dann federleicht tänzerisch, mit feurigen Passagen der Streicher, alles von ansteck-ender Vitalität geprägt. Das berühmte Walzerthema des zweiten Satzes musizierten Zuckermann und das DKO dann in betörender Weise zart, blumig und ausdrucksstark: Ein bezauberndes Stück, beeindruckend gespielt. Die „Elegie“ (3. Satz) mit ihrem romantischen Glanz, dem hochpräzisen Pizzicato der 2. Violinen, den fein ausgespielten Soli von Celli und Bratschen ließen die jungen Musiker derartig hauchzart verklingen, dass der Zuhörer spürte: „Die größte Kraft auf der Welt ist das Pianissimo“ (Maurice Ravel).

Das Finale dieser Serenade geriet dem DKO unter Ariel Zuckermanns vitalem Dirigat mit seinen rasanten Quirligkeiten, teilweise in Extremlagen, romantischen Themeneinschüben und einer abschließenden metrischen Steigerung zum Prestissimo zu einem imposanten Nachweis kammermusikalischer Kompetenz. Josef Bardanashvilis Konzert für Flöte und Streicher, das der bedeutende Israelische Komponist Ariel Zuckermann widmete, verdeutlichte in allen wesentlichen Passagen das Kompositionsjahr 2011: Rhythmisch freie, teilweise atonale Flötensoli “mit Fußeinsatz“ (vernehmliches Stampfen mit dem rechten Fuß), extremste Tonerzeugungstechniken (Flatterzunge mit und ohne Tongebung, Kombination von Instrumentalton und Gesang und anderes) wechselten mit abrupten Streicherakkorden und Orchesterdialogen und einem fast zärtlichen, melancholischen Mittelteil. Das variantenreiche Stück, von Zuckermann von zwei getrennten Notenständern gespielt und dirigiert (mit dem Rücken zum Orchester!) schloss in einem nicht zu überbietenden Pianissimo und initiierte nach intensivem Applaus eine rasante, aber auch höchst amüsante Zugabe mit der Bezeichnung „außer Atem“, komponiert von einem Freund Zuckermanns, die mit ihrer grandiosen Spieltechnik und -freude große Begeisterung beim Publikum auslöste. Zur abschließenden Sinfonie Nr. 39, g-Moll, Hob. I:39 von Joseph Haydn musste sich das DKO um zwei Oboen und vier Hörner erweitern und spielte in veränderter Sitzordnung (Celli und Kontrabässe links, 2. Violinen rechts).

Nach einem geheimnisvollen, zupackenden Einstieg in den 1. Satz interpretierten Zuckermann und das Detmolder Kammerorchester nahezu Haydns gesamte Komposition in ausgesprochen zügigen Tempi, jedoch spieltechnisch derart professionell, leicht und schwebend musiziert, dass dabei an keiner Stelle das Gefühl eines „gerasten“ Metrums beim Zuhörer entstehen konnte und als ein Gegenbeweis für die verbreitete These, dass sich diese Musikgattung vorzüglich für Laienorchester eigne. Bei einem derart pfeffrig, durchsichtig und dynamisch variantenreich gespielten „Finale“ klingen Haydns Sinfonien begeisternd, brillant und sinfonisch und der Gedanke an einen großväterlichen „Papa Haydn“ rückt in weite Ferne.



3. Abokonzert 26.01.2012 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr

Alfredo Perl und das Detmolder Kammerorchester

Quelle: Lippe aktuell, Kulturteil, 01.02.2012, Autor: P. Kluge

Herkulesaufgabe gemeistert



Detmold (pk). Wenn ein Pianist die im Jahre 1802 erstmalig veröffentlichten 15 „Eroica-Variationen“ op. 35 von Ludwig van Beethoven, mit denen das Konzert im voll besetzten Detmolder Konzerthaus eröffnet wurde, mit seinen komplexen, effektvollen, teilweise verspielten und elegischen, aber auch hochvirtuosen und dramatischen Variationen mit glühender Emphase vorgetragen hat (zirka 30 Minuten!), freut er sich sicherlich zu Recht zunächst einmal auf eine ausgiebige Konzertpause. Nicht so bei Alfredo Perl, dem international preisgekrönten Pianisten und Solisten des Abends, der direkt im Anschluss an seinen beeindruckenden pianistischen Soloauftritt sofort wieder auf der Bühne erwartet wurde, und zwar diesmal als Dirigent des Detmolder Kammerorchesters, dessen künstlerische Leitung er seit der Saison 2009/2010 übernommen hat.

Das Detmolder Kammerorchester, ausschließlich mit jungen Berufsmusikern besetzt, musizierte unter Perls Leitung Beethovens Sinfonie
Nr. 2 D-dur op. 36, die nach Karsten Hens „ein wenig mit Mozarts Glanz in den Augen“ komponiert wurde, aber dennoch zu den großen Schöpfungen im „Beethovengebirge“ zählt. Die Realisierung dieses orchestralen Glanzes war sicherlich vorrangig dem hochdynamischen Dirigat Perls zu verdanken, der mit überzeugend ausgewogenen Tempi alle kompositorischen Nuancen facettenreich zum Ausdruck bringen konnte und die Professionalität und das Feuer seiner jungen Musiker auf höchste Niveauebenen katapultierte. Großartig, der zarte, weiche Schmelz des „Larghettos“, das anmutig dargebotene „Scherzo“, alle filigranen und äußerst präzisen Dialoge von Streichern und Bläsern –
die Oboen klangen zauberhaft – und das zügig, aber dennoch durchsichtig musizierte „Allegro molto“ mit seinen perfekt gespielten, stellen-weise virtuosen Passagen. Wer nun aber als Zuhörer glaubte, Alfredo Perl könne sich nach diesen gelungenen musikalischen Mammut-aufgaben im ersten Teil des Konzertes nun etwas entspannter zurücklehnen, rieb sich verwundert die Augen, denn nach der Pause stand Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 auf dem Programm, und zwar mit dem Solisten und Dirigenten Perl in Personalunion! Diese
zur Zeit Bachs häufig anzutreffende Aufführungspraxis bedeutet sicherlich für ein klassisches Solokonzert dieser Komplexität eine nicht geringe musikalische Herausforderung, die Perl aber mit einem engagierten und präzisen Dirigat – stehender und sitzender Weise – vom Klavierhocker aus und teilweise auch während seiner professionellen vorgetragenen Klaviersoli – mit dem Kopf oder einer gerade freien
Hand – brillant meisterte.

Das nach langer Entstehungsgeschichte erstmalig am 5. April 1803 aufeführte Werk (Beethoven am Hammerflügel) behandelt hier als kompositorisches Novum Orchester und Solist als gleichwertige Partner und verpflichtet sie gemeinsam auf eine überwiegend sinfonische Stilrichtung. Ein schlichtes Grundthema „Allegro con brio“ wird hier zum Bewegungsursprung dieses ausgesprochen rhythmischen Satzes,
den Alfredo Perl und das Detmolder Kammerorchester mit feuriger Verve vortrugen, abgerundet durch eine ausdrucksvolle, virtuose Kadenz des Solisten. Beeindruckend leitete Perl mit seinem Pianosolo den zweiten Satz („Largo“) kantabel ein, gefolgt von seinen perfekt und ebenso sensibel „antwortenden“ Orchestermusikern, alles in ausgeglichenem, für diesen Satz optimalen Metrum mit wunderschönen berührenden Dialogen von Streichern, Holzbläsern und Klavier.

Wenn auch die Orchesterbesetzung mit nur zwei Kontrabässen eine gewisse Unterrepräsentierung der tiefen Register bedeutete und die im Programmheft angekündigten Naturhörner kurzerhand durch normale Ventilversionen ersetzt wurden, bleibt zu hoffen, dass die Tonmeister
der Musikhochschule dieses grandiose Konzert für die Nachwelt als Mitschnitt erhalten haben.



3. Abokonzert 26.01.2012 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr
Quelle: Lippische Landezeitung, Autor und Foto: Stefan Kahle, 28.01.2012

Ernten begeisterten Applaus




Detmold (ska). Drittes Abo-Konzert des Detmolder Kammerorchesters: Drei Werke von Ludwig van Beethoven standen am Donnerstag,
26. Januar, im Konzerthaus auf dem Programm des Abends.
Die drei Werke  schrieb Beethoven in den Jahren von etwa 1800 bis 1803 mit Anfang 30. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits ein berühmter Komponist und Interpret, doch war die Krankheit, die ihm das Gehör rauben sollte, schon voll ausgebrochen.

Alfredo Perl eröffnete das Konzert mit den 15 Variationen einer Fuge in Es-Dur op. 36, später die "Eroica-Variationen" genannt. Perl nahm
am Bösendorfer-Flügel Platz, und nach einem Moment der Sammlung ertönte wie ein Fanal ein Es-Dur-Akkord im Fortissimo; dann folgten
die Zuhörer dem Pianisten durch die 15 Variationen. Lyrische Passagen von intensiver Zartheit folgen auf virtuose Ausbrüche, Oktavdonner, die dramatische dreistimmige Fuge in der letzten Variation: Alfredo Perls Spiel war kraftvoll, klar und von großer Intensität, in den Piano-Melodiebögen in den hohen Lagen wie im mächtigen Forte.

Nach den Variationen wechselte Perl ans Dirigentenpult, denn es stand die 2. Sinfonie in D-Dur auf dem Konzertprogramm. Beethoven
hatte die Sinfonie vor seinem Zusammenbruch im Jahre 1802 fertig gestellt, als er noch an eine Heilung glaubte, was ihren positiven Gesamtcharakter erklären kann. Feierlich erklang die langsame Einleitung zum ersten Satz, dann das schnelle "Allegro con brio": Das Kammerorchester spielte nuanciert mit einem transparenten Gesamtklang, und gestaltete die dynamischen Wechsel präzise und ausdrucksstark; ein besonderes Lob den Musikern an den Naturtrompeten, die ihre heikle Aufgabe mit Bravour meisterten.

Im zweiten Satz "Lahrghetto" wechselt die Stimmung, und Perl ließ das Orchester die Melodiebögen mit lyrischen Ton aussingen.
Nach dem3. Satz "Scherzo" folgte der letzte Satz "Allegro molto", in dem Perl ein sehr rasches Tempo wählte, und den Musikern furiose Virtuosität abverlangte. Das Orchester folgte seinem Dirigenten, ohne an Präzision zu verlieren, und gestaltete das beeindruckende Finale
klar  und scharf umrissen.

Nach der Pause vereinten sich Pianist und Orchester zum 3. Klavierkonzert in c-Moll. Perl zeigte in den drei Sätzen eine enorme Breite künstlerischen Ausdrucks, und machte das Konzert zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Wiederum kraftvolle Virtuosität, in der Kadenz des ersten Satzes ein fast zorniges Forte, gefolgt von flirrend hellen Trillern in der hohen Lage. Im langsamen zweiten, in Es-Dur stehenden Satz spielte er die romantisch gehaltenen Melodiebögen mit zarter, fast schmerzlicher Empfindung, die Auszierungen mit leuchtender Klarheit. Zupackend und virtuos der dritte Satz, der mit einer Wendung ins helle C-Dur endete.

Das Publikum reagierte mit begeistertem Applaus und Bravorufen, es bedankte sich für einen Abend mit großartiger Musik, einem
wunderbaren Orchester und einem großartigen Solisten.



Der Dirigent beflügelt
Quelle: Südwest-Presse – Neckar Quelle, 14. Januar 2012, Nr. 1, Autor: Peter Schinnerling

„Detmolder Kammerorchester“ begeistert das Publikum beim Meisterkonzert

Zwei Pianisten, der jüngere gleichzeitig Dirigent, prägten das dritte Meisterkonzert (großer Zyklus) mit dem „Detmolder Kammerorchester“,
das vor mehr als 20 Jahren aus dem sehr bekannten „Kammerorchester Tibor Varga“ (ebenfalls Detmold) hervorging.
Villingen-Schwenningen. Auf dem Programm in Villingen standen zwei Klavierkonzerte von Mozart – darunter das „Doppelkonzert“ für zwei Klaviere und Orchester – sowie die bedeutende „Sinfonie Nr. 40 g-Moll“ im Gegensatz zu den „jugendlichen“ Klavierkonzerten ein „Spätwerk“ des Komponisten hier stand der Chefdirigent Alfredo Perl persönlich am Pult.

Das „Konzert Nr. 10 Es-Dur“ für zwei Klaviere und Orchester entstand Anfang 1779 als Schwesternwerk zu der „Sinfonia concertante Es-Dur“ für Violine, Viola und Orchester. Das Klavierdoppelkonzert komponierte Mozart für sich und seine Schwester Nannerl, die ebenfalls eine vorzügliche Pianistin war. Im Franziskaner-Konzerthaus saßen Alfredo Perl, der auch dirigierte, und „Altmeister“ Gerhard Oppitz an den Flügeln.

Das Hauptthema des „Allegro“-Satzes erschien (wie bei dem früher komponierten KV 271) in sich dualistisch; die kantable „Antwort“ auf die „Anfangsfanfare“ gewann im Satzverlauf große Bedeutung, trat in der Reprise auch in Moll auf. Das „Andante“ (B-Dur) zeigte eine subtile Instrumentierung der Holzbläser, wie wir sie auch bei späteren Klavierkonzerten und anderen Werken vorfinden. Im sehr schnell genommenen Finalrondo fiel wieder mehr die virtuose Komponente bei lebhaftem Wechselspiel aller Beteiligten auf. Auch hier gab es eine virtuose Kadenz für vier Hände.

Im Sommer 1788 komponierte Mozart innerhalb von zwei Monaten seinen letzten drei Sinfonien in Es-Dur, g-Moll und C-Dur („Jupitersinfonie“). Ob es einen „Auftrag“ für dieses Trias gab, ist unbekannt. Jedenfalls führen diese späten Werke Mozarts auf direktem Wege zu Beethovens Sinfonik. Bernd Boie schrieb im Programmheft eine gute Analyse der hier tadellos gespielten „Sinfonie Nr. 40 g-Moll“ (KV 550); Alfredo Perl war auch hier sehr beweglich und beflügelte seine Musiker mit dem abschließenden Motto „Ganz große Musik des ganz großen Wolfgang Amadeus Mozart“. Es gab Riesenapplaus!

Nach der Pause spielte Gerhard Oppitz das Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur. Im Januar 1777 entstand dieses jugendliche Konzert für die auf der Durchreise in Salzburg auftretende Pianistin Jeuenhomme/Jenomy mit einem originellen, zukunftsweisenden Kopfsatz: das Soloinstrument mit Gerhard Oppitz wird unmittelbar nach der Eröffnungsfanfare des Orchestertuttis eingesetzt, erst danach beginnt die eigentliche Exposition des Orchesters. Mozarts Fantasie in der Ausbildung von motivischen Varianten ist unerschöpflich! Die kantable „Antwort“ auf die Anfangsfanfare gewann im Satzverlauf große Bedeutung, trübte sich auch in Moll ein. Nach dem besinnlichen langsamen Satz zeigte das Finalrondo wirkungsvoll wieder die virtuose Komponente, abgesehen von dem eingeschobenen „Menuetto“.

Das Publikum war begeistert von der Zusammenwirkung von Solist und Orchester mit dem überlegenen Alfredo Perl als Dirigent, konnte aber keine Zugabe bewirken.



3. Abokonzert 26.01.2012 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr
Quelle. Lippische Landezeitung, Autor: Barbara Luetgebrune, 14.01.2012

Wie zu Beethovens Zeiten
Im Kammerorchester-Konzert erklingen Naturtoninstrumente

Detmold. Im dritten Abokonzert des Detmolder Kammerorchesters am Dienstag, 26. Januar [Donnerstag, 26. Januar. Anm. d. Red. DKO], kommen in der Blechbläserriege als Besonderheit Naturtoninstrumente zum Einsatz. Hornisten und Trompeten spielen auf Instrumenten,
die nicht wie ihre heutigen Pendants mit Ventilen ausgestattet sind.

Einige der heutigen Nachbauten dieser Naturtoninstrumente haben zumindest Grifflöcher, um Intonationsschwierigkeiten auszugleichen, aber generell gilt, so erklärt Trompeter Fabian Kuhnen: „Die Intonation wird über den Ansatz, die Lippenspannung reguliert. Das ist natürlich ungleich viel schwerer, als wenn man auf einer modernen Trompete spielen würde.“ Er lacht. „Ein bisschen so wie russisches Roulette.“
Dennoch kam die Idee, in den Beethoven-Kompositionen, die im Konzert erklingen, die Naturtoninstrumente einzusetzen, aus den Reihen der Bläser höchstselbst. „Wir haben das vorgeschlagen, weil es für uns in einiger Hinsicht auch angenehmer ist – die Stücke sind immerhin für diese Instrumente geschrieben, sagt Fabian Kuhnen. Das Schöne an den Trompeten und Hörnern im Stil der Barockzeit sei, dass sie – vor allem in bestimmten Lagen – sehr viel weicher klängen. So, erläutert Trompeter Matteo Scurci, müssten sich die Bläser auch nicht über Gebühr zurücknehmen – das komme dem Gesamtklang besonders im Zusammenspiel mit einem Kammerorchester entgegen. Und Hornist Edoardo Pirozzi ergänzt: „Wichtig für die Zuhörer ist es, dass sie nicht durchweg ‚saubere‘ Töne erwarten. Sie sollten vielmehr diesen ‚alten‘, diesen besonderen Klang genießen.“

Auf dem Programm des Konzertes am 26. Januar, das um 19.30Uhr im Konzerthaus beginnt, stehen Ludwig van Beethovens „Eroica“-Variationen für Klavier op. 35, seine Sinfonie Nr. 2 op. 36 und sein Klavierkonzert Nr. 3 op. 37. Die Leitung hat Alfredo Perl, der auch den Klavierpart übernimmt. Tickets kosten je nach Platzkategorie 20,16 oder 12 Euro. Karten im Vorverkauf gibt es in allen LZ-Geschäftsstellen.
Bis zum Saisonende stehen dem Publikum dann noch vier weitere Konzerterlebnisse in Aussicht. Dazu bietet das Detmolder Kammerorchester ein verkürztes Abonnement zu – je nach Platzkategorie – 70, 55 oder 40 Euro an. Informationen erteilt das Orchestermanagement unter (05231) 3 16 03. (blu)



Meisterkonzert 12.01.2012 | Franziskaner Konzerthaus Villingen-Schwenningen | 20.00 Uhr

Tadellos gespielte Mozart-Werke
Quelle: Südkurier, Autor: Peter Schinnerling, 14.01.2012


Zwei Pianisten, der jüngere gleichzeitig Dirigent, prägten das dritte Meisterkonzert (großer Zyklus) mit dem „Detmolder Kammerorchester“,
das vor mehr als 20 Jahren aus dem sehr bekannten „Kammerorchester Tibor Varga“ (ebenfalls Detmold) hervorging. Auf dem Programm in Villingen standen zwei Klavierkonzerte von Mozart – darunter das „Doppelkonzert“ für zwei Klaviere und Orchester – sowie die bedeutende „Sinfonie Nr. 40 g-Moll“ im Gegensatz zu den „jugendlichen Klavierkonzerten ein „Spätwerk“ des Komponisten – hier stand der Chefdirigent Alfredo Perl persönlich am Pult.

http://www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/villingen-schwenningen/Tadellos-gespielte-Mozart-Werke;art372541,5323264



Meisterkonzert 12.01.2012 | Franziskaner Konzerthaus Villingen-Schwenningen | 20.00 Uhr

Die Seele kann durchatmen
Quelle: Schwarzwälder Bote, Autor: Siegfried Kouba, 13.01.2012



Zwei, die sich bestens verstanden: der bekannte Pianist Gerhard Oppitz (links) und Dirigent Alfredo Perl. Mit ihren Klavierproduktionen gewannen sie die Herzen des Publikums im Villinger Franziskaner Konzerthaus. Foto: Kouba Foto: Schwarzwälder-Bote
(Von Siegfried Kouba) Villingen-Schwenningen. Mit einem klassischen Programm wartete das Detmolder Kammerorchester im Franziskaner auf. Es war der Abend Mozarts und der Pianisten: des äußerst sensitiv spielenden Gerhard Oppitz und des mit markantem Anschlag ausgestatteten Dirigenten Alfredo Perl. Das Orchester zeichnete sich aus durch homogenen Klang, feinfühlige Streicher und herausragende Bläser (nur bei den Hörnern gab es kleine Unebenheiten), wobei der Preis der ersten Oboistin zustand. Die internationalen Musiker brachten das nötige Gespür für Mozart mit. Sie loteten die Tiefgründigkeit der Werke mit äußerst disziplinierter Dynamik und perfekter Technik aus.
Eingebettet in zwei Klavierschöpfungen in der freundlich-weichen Tonart Es-Dur erklang die Sinfonie Nr. 40 in g-Moll. Sie entstand 1788, ein eher wehmütig-melancholischer Akzent. Fiebrig hetzen die Streicher im ersten Satz dahin, dunkle Bässe unterstreichen Schwermut bei gewisser Verspieltheit. Das ästhetische Musizieren machten den Eingang mit dramatisch-dynamischen Steigerungen zum Genuss. Präzise Zeichengebung und der elegante Dirigierstil rissen die Orchestermitglieder mit, die unverbrauchten Schwung vermittelten. Entrückt das Andante, das durch lebendige Staccati und satte Legatopassagen gewann. Mit großer Frische wurde das Menuetto musiziert, und bewundernswert waren Flöte, Oboe und Fagott beim Trio. Deutlich wurden die Themen des Finales bei gehörigem Tempo verwirklicht.

Gerhard Oppitz, der "große stille Meister" am Flügel, durfte beim Jeunehomme-Klavierkonzert (jetzt Jenamy-Konzert) bewundert werden. Seine ehrlichen Empfindungen, die Reife des Spiels und das liebevolle Streicheln der Tastatur vermittelten wohlige Gefühle. Trillerketten gelangen perfekt, Verzierungen kamen genussvoll herüber, schwelgende Passagen, in denen jede Note ausgekostet wurde (Andantino), gewannen, intensive Läufe und harfenähnlicher Klang (Rondo), herrliche Arpeggien (Menuett) und ein rasantes Tempo des Finalsatzes ließen aufhorchen.
Keine Wünsche ließ auch das Konzert für zwei Klaviere KV 365 offen, wobei Alfredo Perl am Piano mit überschäumendem Temperament glänzte und ferner seinen Dirigierpart mit äußerst intensivem Agieren ausstattete. In Gerhard Oppitz hatte er einen gefühlvollen Partner, und das Orchester griff alle thematischen Vorgaben auf. Die Korrespondenz war beispielhaft und bewundernswert das kongruente Spiel der beiden renommierten Pianisten.

Ausladend der Kopfsatz mit den bestimmenden Themen des ersten Klaviers, die durch das zweite Instrument weitergeführt wurden. Die Klangbilder auf wunderbaren Konzertflügeln wurden im Andante fortgesetzt, das mit Spannung angegangen wurde. Bestens wurde ein inniger Dialog zwischen Klavieren und Bläsern geführt – ein Satz, bei dem die Seele durchatmen konnte. Das wetteifernde Rondo bot lebhafte Spielfreude.



(Lippische Landeszeitung, 27. Januar 2011)





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