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21.06.2011 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr

Musik von überirdischer Schönheit

Kammerorchester spielt sich in seinem 6. Abo-Konzert ins Zentrum des Detmolder Musiklebens.

Detmold (ans). Mit seinem jüngsten Konzert hat sich das Detmolder Kammerorchester endgültig ins Zentrum des hiesigen Musiklebens
gespielt. Unter Alfredo Perl gelang es den jungen Musikern am Dienstagabend einmal mehr, Musik des 20. Jahrhunderts in geradezu
überirdischer Schönheit zu spielen.




Schenkten ihren Zuhörern ein wunderbares Erlebnis: Martin Mitterrutzner, Martin Owen und Alfredo Perl (von links)
im Detmolder Konzerthaus.
(Foto: Schwabe)

In seinem empfehlenswerten Buch „Wie das Glücklichsein gedeiht" erkennt der in Lippe lehrende Philosoph Dr. Wolfgang Gerent das Erleben
des Schönen in der Kunst als die Empfindung von etwas Überwirklichem. Das klingt im ersten Moment unverständlich, mag aber plausibel
werden, wenn man an Michelangelos Gemälde "Die Schöpfung" denkt. Dort wo der Finger Gottes den Finger Adams fast berührt, ist für
Jedermann eine nicht sichtbare Energie spürbar, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Eine ebensolche Empfindung stellte sich im gut
besuchten Konzerthaus ein, als das Kammerorchester die Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester von Benjamin Britten (1913–1976)
spielte.

Erster Grund für diese Empfindung war die schier unvorstellbare Leistung der beiden Gastmusiker: dem mit einer geradezu himmlischen
Stimme gesegneten Tenor Martin Mitterrutzner und dem über eine unglaubliche Helligkeit und Reinheit der Tongebung verfügenden Hornisten
Martin Owen.

Vergnügliches Fest farbig instrumentierter Melodien

Beide verliehen Benjamin Brittens als Zyklus angelegten sechs Orchesterliedern über den zarten Klängen des Kammerorchesters eine
Ausstrahlung, die die Naturverbundenheit der Texte auf tief tröstende Weise zu einem „Bild von Ewigkeit" transzendierte. Die prominente
Stellung des Horns unterstrich diese Empfindung, indem es – als Naturtoninstrument verwendet – an Archaisches denken ließ, das seinerseitsimmer auch zeitlos wirkt.

Blieb Britten einer funktional-harmonischen Tonsprache verpflichtet, so entfaltet der Detmolder Komponist Martin Christoph Redel (* 1947) in
seiner „Hommage à György Ligeti" für Streichorchester Klangfelder, in denen zwar hier und da Melodisches aufblitzt, die ihre Spannung aber
vor allem daraus gewinnen, dass sie den Streicherkorpus auf interessante Weise ausdehnen. Eigentlich ungewöhnliche Spielformen, wie ein
gewisses Flattern der Bögen oder das Klopfen auf die Decke des Instrumentes, fügen sich dabei höchst organisch in ein Geschehen, das
Redels Verehrung für den 2006 verstorbenen ungarischen Kollegen in seinem musikalischen Nachruf dank einer besonders empfindsamen
Darstellung durch das Kammerorchester sehr schön hörbar machte.

Nach der Pause bereitete das Kammerorchester seiner Zuhörerschaft mit einer lebendigen Interpretation der „Detmolder Symphonie", wie die
erste Serenade von Johannes Brahms (1833-1897) auch genannt wurde, ein vergnügliches Fest voller farbig instrumentierter Melodien.



19.05.2011 | St. Michael, Zeitz | 19.30 Uhr

Töne, so perlend wie Sekt

KONZERT Partnerschaftsverein Detmold-Zeitz und evangelisches Kirchspiel organisieren den Auftritt des Detmolder Kammerorchesters.
Viele Zuhörer kommen. (Von Angelika Andräs)
Zeitz/MZ




„Möge die Musik eine gute Verbindung schaffen als Zeichen einer lebendigen Partnerschaft.“ Michael Glöckner, Kantor

Insofern übertraf das Konzert der Detmolder, organisiert vom evangelischen Kirchspiel Zeitz und dem Partnerschaftsverein Detmold Zeitz,
vielleicht schon manche Erwartung. Man ist es ja nicht mehr gewohnt, in Zeitz Klassik frei Haus zu bekommen. „Konzerte in Zeitz haben eine
lange Tradition“, hatte Kantor Michael Glöckner zur Begrüßung gesagt. Und auch anklingen lassen, dass dieses partnerschaftliche Konzert
ein guter Wiederbeginn sein könnte. Lust auf mehr machte es garantiert. Franz Schuberts Sinfonie Nr. 2 B-Dur D 125, jene, der bei der
Uraufführung  in London bescheinigt wurde, dass sie „Nähe zum Vorbild Mozart“ habe, war ein genialer Schlussakkord. So wie die Kleine Suite
op. 1 von Carl Nielsen eine wunderbare Einstimmung war. Nach der Pause erklang „Voile“, ein erst 1995 komponiertes Werk von Iannis
Xenakis.

Seine Musik ist stark von seinem Interesse an mathematischen und akustischen Gesetzmäßigkeiten geprägt. Was zu spüren war mit dieser
„flächigen“ Musik, die so ganz anderen Gesetzen zu gehorchen scheint. Ein echtes Erlebnis, Xenakis „Segel“ in Zeitz setzen zu sehen.
Doch noch vor der Pause nahm der künstlerische Leiter des Detmolder Kammerorchesters am Flügel Platz. Natürlich gilt das Klavierkonzert
Es-Dur KV 271 von Wolfgang Amadeus Mozart schon als Besonderheit in Mozarts Werk. Es entstand 1777 und ist das letzte und be-deutendste seiner Salzburger Solokonzerte. Es heißt, mit dem für die französische Pianistin Louise-Victoire Jenamy geschriebenen Werk,
das eigentlich nur aufgrund eines Lesefehlers „Jeunehomme-Konzert“ heißt (oder hieß, seit 2004 gilt offiziell „Jenamy“), erschließe Mozart
dem Genre ungeahnte Dimensionen der musikalischen Form und des Ausdrucks. Nach dem Donnerstagabend vermag man wohl zu sagen,
dass Solist Alfredo Perl da noch etwas nachlegte. Perl ist ein perfekter Techniker, aber kein Technokrat. Und er nutzt die Steilvorlage dieses
Konzertes, das dem Pianisten vielfältige Möglichkeiten zur Selbstdarstellung gibt: lange solistische Einleitungen, ausführliche Kadenzen,
schnelle, feine Läufe. Und immer wieder setzt der Solist ein, wo man ihn gar nicht erwartet, übernimmt und gibt wieder an das Orchester ab.

Aber darüber musste niemand nachdenken an diesem Abend in St. Michael, denn das Konzert war eher Stimmung pur. So dass der mehr
als herzliche Applaus nicht nur Dank für eine wunderbare künstlerische Leistung von Orchester und Solist war, sondern auch ein Dank
für eine gelungene Entführung aus dem Alltag. Oder wie hatte Glöckner eingangs gesagt? „Möge die Musik eine gute Verbindung zwischen
Aufführenden und Zuhörern schaffen als Zeichen einer lebendigen Partnerschaft zwischen Detmold und Zeitz.“

(Mitteldeutsche Zeitung, 21.Mai 2011)



25.01.2011 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr

Detmolder Kammerorchester reißt seine Zuhörer mit


Groove im Konzerthaus



Andrey Doynikov: Der Schlagwerker trommelte sich unvergesslich in die Herzen der Detmolder. | Foto: Schwabe
Vielleicht hielt der ein oder andere den Nachnamen des Maestros für ein äußerst passend gewähltes „Alias“. Denn was
Alfredo Perl am Flügel, begleitet vom Detmolder Kammerorchester, mit Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur anstellte, das klang,
als ob kleine Kristallkugeln über klares Wasser perlten. Was mindestens so viel Spaß machte, wie ein eiskalter perlender Sekt und sogar
ein wenig von dessen Wirkung hatte. Im geradezu fröhlichen Dialog mit dem Orchester schwebte Mozarts Musik irgendwo im Raum und
zumindest einige Besucher mit ihr.

Detmold. Die Jubelschreie aus dem „Olymp“ – dort oben, wo die Studenten saßen – waren unüberhörbar im frenetischen Rauschen des Beifalls. Am Ende gab es kein Halten mehr. Alle Zuhörer erhoben sich von ihren Plätzen, um der aufgestauten Freude Luft zu machen.
Sie hatten einem Erlebnis beigewohnt, das einen Höhepunkt an den anderen reihte. Für dieses Erlebnis sorgten Komponist Oriol Cruixent, Schlagzeuger Andrey Doynikov und das Detmolder Kammerorchester unter Alfredo Perl.

Frenetische Zustimmung zu Neuer Musik, zu einer Komposition mit Glissandi-Schüben, mit fetten Stakkato-Schlägen à la Witold Lutoslawski, mit spitzem Spiel am Steg? Doch nicht in der beschaulichen Residenz. Doch! Und ein Werk für Streichorchester und Schlagwerk, das stellenweise klingt wie das Scheppern von chinesischen Becken – das ist doch keine Musik. Doch!

Geschrieben hat sie Oriol Cruixent, einer von den jungen Komponisten – er ist 1976 in Barcelona geboren –, die das Tabu der seriellen Musik nach dem Motto der späten 1960er Jahre brechen, indem sie so liberal sind, dass – egal ob tonal oder atonal – inzwischen alles legal ist, Hauptsache es klingt. Cruixent hat mit seinem „Trinoctium“ für Schlagwerk und Streichorchester den Groove in den Konzertsaal geholt und das Detmolder Kammerorchester hat ihn unter einer herausragenden Führung von Alfredo Perl aufgesaugt, wie der Verdurstende in der Wüste das Wasser der rettenden Quelle.

In Cruixents Komposition gingen rhythmische Elemente des Mainstream-Jazz, tonale und atonale Felder, Improvisiertes und genial Instrumentiertes eine so mitreißende Symbiose ein, das die Zuhörer völlig aus dem Häuschen waren.

Das wäre alles nicht gegangen, wäre da nicht Andrey Doynikov gewesen. Ein Schlagwerker, der Mozart in Entzücken versetzt und Alphonse Mouzon aus jedem Jazzkeller getrommelt hätte. Der 30-jährige Russe spielte vor der Pause Mozarts C-Dur-Klavierkonzert auf seinem Marimbaphon mit einer so hinreißenden Musikalität, dass man meinen konnte, Mozart hätte es für ihn geschrieben, obwohl der das Instrument doch gar nicht gekannt hat.

Nachdem der Schlagwerker hier seine elegante „singende“ Virtuosität unter Beweis gestellt hatte, tobte er anschließend mit traumhafter Sicherheit durch seine Batterie aus Glocken, Holzblöcken, großer Trommel und Becken, Vibraphon und Schellenkranz.

Nach all dem Erlebten war die Gefahr groß, die erste Entdeckung des Abends völlig zu vergessen, den „spanischen Mozart“, den mit
20 Jahren viel zu früh verstorbenen Juan Crisostomo de Arriaga (1806 –1826). Dessen d-Moll-Sinfonie spielte das Kammerorchester anmutig und engagiert, mit so samtfarbenen Streichern, klangschönen Holzbläsern und strahlenden Trompeten, dass man gern mehr von diesem „vergessenen“ Komponisten hören möchte.
(Lippische Landeszeitung, 27. Januar 2011)



10. Dezember 2010 | Sonderkonzert | Erlöserkirche Detmold | 19.30 Uhr

Fulminantes Weihnachtskonzert in der Erlöserkirche




Detmolder Kammerorchester und Philharmonischer Chor wachsen zusammen

Detmold. Das Detmolder Kammerorchester hat am Freitagabend sein Weihnachtskonzert gegeben.
Das Zusammenwirken mit dem Philharmonischen Chor war etwas ganz Besonderes.

Weihnachten wirft alle Jahre wieder die Dialektik zwischen dem Traum einer heilenden Begegnung der Menschen und ihrer oft kränkenden Realität auf. Rituale helfen, diese Spannung zu ertragen. Zum Beispiel Kirchenkonzerte, die auf vertraute Gefühle von Gemeinsamkeit anspielen. Dieses Spiel wollte Pierre Hoppé offensichtlich nicht mitspielen. Der Dirigent des Sonderkonzertes in der am Freitagabend bestens besuchten Erlöserkirche am Markt zog es vor, der Weihnachtsbotschaft „mitten ins Herz zu greifen“ und bewirkte eben damit den fulminanten Publikumserfolg dieses Zusammengehens von Chor und Orchester.

„Warum schmieden die Völker Pläne, die doch zu nichts führen?“ fragte der Chor in Camille Saint-Saëns „Oratorio de Noël“. Er „brüllte“ die Frage „verzweifelt“ heraus, um im nächsten Moment ganz weich „die Ehre des Vaters“ zu besingen, „wie es war im Anfang und immerdar.“
Der –wie sein höchst expressives Dirigat belegte- von Musik „besessene“ Hoppé trieb den von Volker Schrewe sehr gut vorbereiteten Chor und das unerhört gut mitgehende Orchester in bestens ausbalancierter Form in diese so dicht nebeneinanderliegenden Grenzpunkte des menschlichen Daseins: die Verzweiflung am unheilen Umgang miteinander und die dagegen stehende Unerschütterlichkeit des Glaubens.
Mit den Solisten Ariane Wohlhuter (Sopran), Ulrike Mayer (Mezzosopran), Anja Schlosser (Alt), Ulrich Cordes (Tenor) und Konrad Jarnot (Bariton) hatten die Verantwortlichen bravourös agierende Sänger engagiert, die dem Weihnachtsoratorium des Franzosen den entscheidenden Kick gaben.

Anja Schlosser machte schon vor der Pause Furore, hatte sie doch den Gesangspart in Arvo Pärts „Weihnachtlichem Wiegenlied“ übernommen und dessen meditativ ruhende Musik mit ihrem schlanken Ton eine wirkungsmächtige Wärme verliehen.

Die von Komponisten wie Kurt Thomas beschrittene „moderate“ Moderne, in der auch Gerald Finzis (1901-1956) „In Terra Pax,
Christmas Scene“ steht, konnte im tatsächlich pausenlosen Anschluss an Pärts „mediative“ Musik eine ungemein starke Wirkung erzielen.
Die Idee mit einem Pärt das Konzert zu eröffnen, dann ohne Pause einen barocken Torelli zu spielen, um einen zweiten Pärt und den Finzi
in die Einheit mit einzubeziehen, erwies sich nicht immer als einfach. Aber es war doch höchst interessant. (ans)
(Lippische Landeszeitung, 12. Dezember 2010)




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