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Konzertsaison 2013/14
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Konzertsaison 2013/14                                                                                                                     Konzertsaison 2010/11

3. Abokonzert 04.02.2014 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr
Quelle: Lippische Landes-Zeitung, 6. Februar 2014, Autor: Andreas Schwabe

Detmolder Kammerorchester brilliert mit Ligeti-Konzert
Publikum feiert großartige Darbietung

Detmold. Es hat nicht in Wien, Berlin oder München stattgefunden. Selbst dort wäre so ein Konzert noch eine Ausnahme gewesen, aber das Ereignis trug sich in einer kleinen Stadt am Rande des Teutoburger Waldes zu. Im sehr gut besuchten Konzerthaus der Detmolder Hochschule für Musik erklang das fabelhaft interpretierte Klavierkonzert von György Ligeti (1923-2006).

Der Komponist hat die Emanzipation der Rhythmik auf eine neue Ebene gehoben, wo sie zu einem flimmernden Klangfeld zusammenfließt. Ein Ereignis. Das Detmolder Kammerorchester hat sich am Dienstagabend endgültig den Ruf erspielt, der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts auch in einer kleinen Stadt den ihr zustehenden Platz im freien Konzertbetrieb zu erobern. Der künstlerische Leiter Alfredo Perl hat es durch geschickte Programmgestaltung und immer wieder überzeugende Interpretationen geschafft, den Freunden des Detmolder Kammerorchesters Musik als eine lebendige, wandlungsfähige und immer wieder herausfordernde Kunst erfahrbar zu machen, die dann mit neuen Klangfeldern anregend oder im besten Fall bereichernd zu überzeugen vermochte.

Diese Vorbereitung machte das Klavierkonzert von Ligeti nicht nur möglich, sondern führte es in diesem Fall sogar zu einem überwältigenden Publikumserfolg, und das obwohl Ligeti es seinen Hören zumindest strukturell nicht leicht macht. Allerdings hat Perl während der notwendigen Umbaupause den entscheidenden Hinweis gegeben, Ligeti eben nicht „analytisch“ zu hören, sondern sich von der durch ihn ganz neu entfalteten Vitalität mitreißen zu lassen.

In Ligetis Klavierkonzert fließen die „Erkenntnisse“ eines Igor Strawinsky, eines Bela Bartók, ja selbst eines Anton Webern zu einem Klangfeld zusammen, das den Hörer einlädt, Zeit – etwa im ersten, dritten oder auch fünft en Satz – als vibrierend stillstehend und trotzdem ungemein vital zu erleben. Oder auch dazu, mit Webern im ersten Teil des zweiten oder auch im vierten Satz jenem Stillstehen in der Vollendung eines bloßen Motives näher zu kommen.

György Ligeti unterstreicht die Wirkung seiner Musik mit einer hochsensiblen Klangfarbigkeit eines kleinen Orchesters, in die er das Soloinstrument organisch einwebt und dem Klavier trotzdem eine hervorstehende Stellung einräumt. Ligetis Klangfarbigkeit unterstreicht die Plastizität seines Konzertes.

Es ist Alfredo Perls ganz großes Verdienst, dass er seine jungen Musiker zu einer Leistung anspornen konnte, deren Präzision und Präsenz dem fantastischen Solisten Alberto Carnevale Ricci jenen klaren Raum bot, in dem er seine Qualitäten voll ausspielen konnte.
Stand Ligeti im Zentrum des Konzertes, so zeigte Strawinskis „Ragtime“ nach der Pause, dass gute Musik auch viel Humor haben kann, während Mozart und Ludwig van Beethoven quasi einen „versöhnlichen“ Rahmen bildeten, der von den Besuchern auch nachhaltig goutiert wurde.


3. Abokonzert 04.02.2014 | Konzerthaus der HfM Detmold | 19.30 Uhr
Quelle: Lippe-aktuell, 12. Februar 2014, Autor: Juliana Szabo

Der Meister und sein Schüler
Alberto Carnevale Ricci beeindruckt mit Ligeti-Konzert

Detmold (js). Das dritte Abonnementkonzert des Detmolder Kammerorchester widmete sich den „Jungen Solisten“ und stellte ein großes Talent vor: Der Pianist Alberto Carnevale Ricci gastierte in Detmold, der Stadt, in der er selbst einige Jahre in der Klasse von Alfredo Perl, dem Leiter des Detmolder Kammerorchesters (DKO), studiert hat.

Beeindruckend spielte der gebürtige Italiener ein Klavierkonzert von György Ligeti. Schon früh erkannte Ricci sein Interesse für zeitgenössische, klassische Musik und hat sich mit Ligetis Klavierkonzert wohl einer seiner kompliziertesten Partituren angenommen. Sie besteht aus fünf sich in unterschiedlichen Atmosphären abbildenden Sätzen, in denen der Komponist neue harmonische und rhythmische Konzeptionen verwirklicht hat, die auch dem Orchester einige höchst anspruchsvolle Partien abverlangt. Sie sind nicht gedoppelt oder chorisch besetzt, sondern alle solistisch und führen einen lebendigen Dialog mit dem Hauptdarsteller, dem Klavier. Beeinflusst wurde Ligeti in seinem Klavierkonzert von seinen Vorbildern Bartók und Strawinsky. Gerade im zweiten Satz mit seiner strikten Vermeidung von Tempiwechseln und mit seinen verfremdeten Klangfarben, ist dieser Einfluss deutlich zu hören. Kaum vorstellbar, dass zwischen dem zuvor gespielten Rondo in D-Dur für Klavier und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart und dem Klavierkonzert von György Ligeti gut 250 Jahre Klaviermusikgeschichte liegen und größer der Kontrast nicht sein könnte. Auch wenn beide Komponisten etwas gemein haben: Sie waren Virtuosen, die man als wahre Genies bezeichnen könnte.

Einen weiteren Kontrast dieses Konzertabends bot in der zweiten Hälfte die 8. Symphonie Beethovens, die konträr zu Igor Strawinskys „Rag-Time für Elf Instrumente“ stand. Direkt mit einem „Allegro“-Thema einsetzend, verzichtet sie im ersten Satz auf eine Einleitung und beginnt somit gleich mit sehr großer Lebendigkeit. Der zweite Satz ist wohl auch der beliebteste: Das „Allegretto scherzando“ besticht nicht nur durch seine bezaubernden Melodiekreationen, sondern ist durch einen komplizierten Taktvorspann und verzögerten Einsatz der ersten Violinen von besonderem Reiz. Die Wiederholungen einiger Bläser erinnern an Mozart. In dem dritten Satz handelt es sich im Grunde genommen um eine Rückwendung zum klassischen Menuett und erinnert in Struktur und Funktion an Haydn. Der vierte und letzte Satz ist ein „Allegro vivace“ und wird auch als eine der gigantischsten Schöpfungen Beethovens bezeichnet. Schnelle Tonartwechsel, Erinnerungen an das Allegretto im zweiten Satz, Wiederaufnahme des Oktavenmotivs vorheriger Passagen, übermütiger Stimmungswechsel, drastisch-deftige Einlagen und feine Kehrtwendungen zum F-Dur sorgen für ein effektvolles Finale.

Einem Konzertabend der Kontraste nachblickend, gebührte das Publikum die musikalisch herausragende Leistung des Kammerorchesters, seinem Leiter Alfredo Perl und dem jungen Pianisten Alberto Carnevale Ricci mit begeistertem Applaus.



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